PV-Überschuss wirklich nutzen: Warum 5-Minuten-Daten nicht reichen
Hamza Akin • März 2026 • Praxisbericht aus Lippstadt
12 kW PV, 16 kWh Akku, 9 kW Heizstab, Wallbox, Wärmepumpe — auf dem Papier ein perfektes Energiesystem. In der Praxis hingen alle Entscheidungen an Daten, die 5 Minuten zu spät ankamen. Das ist der Moment, in dem man aufhört zuzuschauen und anfängt, selbst zu steuern.
Das Problem mit der Cloud
Der Deye SUN 12K SG04 LP3 EU ist ein solider Hybridwechselrichter. Monitoring läuft über die Deye Cloud App — die App ist ordentlich, die Übersicht gefällt mir. Aber für jemanden, der seine Verbraucher aktiv steuern will, hat sie einen entscheidenden Haken: Sie aktualisiert sich alle fünf Minuten.
Fünf Minuten klingen harmlos. Aber stell dir vor, du willst einen 9-kW-Heizstab im 800-Liter-Pufferspeicher nur dann einschalten, wenn wirklich genug Solarstrom übrig ist und die Batterie nicht dafür herhalten muss. In fünf Minuten kann sich die PV-Leistung durch eine Wolke halbieren, die Batterie von Laden auf Entladen wechseln und der Heizstab hat längst Strom aus dem Netz gezogen — für 30 Cent pro kWh, obwohl die Sonne schien.
Intelligentes Energiemanagement braucht Sekundentakt. Nicht Minutentakt.
Was der Wechselrichter die ganze Zeit verschwiegen hat
Was die meisten Deye-Besitzer nicht wissen: Der eingebaute WLAN/LAN-Logger kommuniziert nicht nur mit der Cloud — er ist auch direkt im Heimnetz erreichbar und liefert dort die gleichen Daten, ohne Umweg über irgendeinen Server.
Keine Internetverbindung nötig. Kein Account. Kein Abo. Und vor allem: die Daten kommen in unter einer Sekunde — nicht in fünf Minuten.
Den Hinweis darauf habe ich in Community-Foren gefunden, wo andere Tüftler das schon vor mir rausgefunden hatten. Dass ich es dann auch wirklich zum Laufen gebracht habe, hat ein paar Abende gekostet — aber es klappt.
Nicht ohne Stolpersteine
So einfach wie "anschließen und fertig" war es nicht. Der erste Abend war vor allem Fehlersuche: Warum kommt keine Verbindung zustande? Der Grund stellte sich als klassische Falle heraus — das Gerät hat zwei verschiedene Seriennummern, und für den lokalen Zugriff braucht man die, die nicht auf dem Aufkleber steht. Steile Lernkurve.
Dann: welche Messwerte stecken eigentlich wo? PV-Leistung, Batterieladung, Hausverbrauch — das klingt selbstverständlich, ist aber nirgendwo offiziell dokumentiert. Ich habe Werte aus der Deye Cloud App mit dem verglichen, was lokal ankam, und so Stück für Stück rausgefunden, was was bedeutet. Ein paar Abende Geduld, viel Ausprobieren — und am Ende ein vollständiges Bild.
Besonders knifflig: die Netzleistung (Bezug oder Einspeisung) lässt sich nicht direkt ablesen — sie ergibt sich rechnerisch aus den anderen Werten. Klingt kompliziert, ist es aber nicht — wenn man erst mal weiß, wie die Energiebilanz des Wechselrichters aufgebaut ist.
| Messgröße | Verfügbar? | Besonderheit |
|---|---|---|
| PV-Gesamtleistung | ✓ Direkt | Vorzeichenlos, in Watt |
| Batterieleistung | ✓ Direkt | Vorzeichenbehaftet (laden/entladen) |
| Hausverbrauch | ✓ Direkt | Wechselrichter-intern gemessen |
| Netzleistung | ⚙ Abgeleitet | Aus Energiebilanz berechnet |
| Netzspannung L1/L2/L3 | ✓ Direkt | Alle drei Phasen einzeln |
| Battery SOC (%) | In Arbeit | Register noch nicht verifiziert |
Das Ergebnis: ein vollständiges Echtzeit-Bild des gesamten Energiehaushalts — PV-Erzeugung, Batteriestatus, Hausverbrauch, Netzaustausch und alle drei Phasenspannungen. Aktualisiert im Sekundentakt. Vollständig lokal.
Der Moment, in dem es klick macht
Der erste echte Test: Ich schalte den 9-kW-Heizstab ein, während die Sonne scheint und die Batterie lädt. Die Zahlen in meinem Dashboard ändern sich sofort. Batterie: von −5.070 Watt (lädt) auf +4.414 Watt (entlädt). Delta Hausverbrauch: +9,4 kW. Reaktionszeit des Systems: unter zwei Sekunden.
Das ist der Unterschied, der alles verändert. Nicht weil ich Zahlen schneller sehen kann — sondern weil eine Steuerung diese Zahlen in Echtzeit auswerten und automatisch handeln kann. Der Heizstab läuft nur, wenn Batterie lädt und PV über Schwellwert. Die Wallbox drosselt, sobald die Batterie anfängt zu entladen. Die Wärmepumpe bekommt Vorrang, weil ihr COP drei- bis viermal besser ist als der Heizstab.
Das Dashboard — und was dahinter steckt
Die Daten laufen in ein selbst entwickeltes Live-Dashboard, das den kompletten Energiehaushalt visualisiert: ein animiertes Flussdiagramm zeigt in Echtzeit, wohin der Strom gerade fließt. Solar zu Haus. Haus zu Batterie. Einspeisung ins Netz. Netzbezug bei Unterdeckung. Alles mit fließenden Pfeilen, Wattzahlen und Verlaufsdiagrammen.
Das Dashboard läuft auf dem Heimserver — dem gleichen System, das auch die Proxmox-Virtualisierungsumgebung für meine anderen Projekte betreibt. Alles im Heimnetz, alles unter eigener Kontrolle.
Warum das für dich relevant ist
Das hier ist kein Bastler-Projekt um des Bastelns willen. Es geht um eine Frage, die für jeden relevant wird, der eine PV-Anlage, einen Speicher und nennenswerte Verbraucher im Haus hat: Wie bekomme ich den maximalen Eigenverbrauch, ohne ständig selbst einzugreifen?
Die Antwort liegt in der Kombination aus präziser Planung — Heizlastberechnung, Anlagenauslegung, Speicherdimensionierung — und intelligenter Steuerung auf Basis von Echtzeitdaten. Beides gehört zusammen. Beides ist lösbar. Und beides ist das, womit ich mich bei Heat-Kings beschäftige.
Wenn du wissen willst, was ich als nächstes baue und veröffentliche — oder wenn du selbst ein ähnliches Setup hast und Fragen dazu — schreib mir direkt. Die Adresse steht unten.
Dabei sein, bevor es fertig ist
Das automatische Energiemanagement, die Dashboard-Weiterentwicklung, die Koppelung von Heizlastberechnung und PV-Planung — das alles entsteht gerade. Wenn du informiert bleiben willst, was hier als nächstes kommt: schreib mir eine kurze Mail. Kein Formular, kein Algorithmus — nur eine direkte Antwort.
contact@heat-kings.deAntworte ich persönlich. Kein Newsletter-Tool, kein Drittanbieter.