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Wärmepumpe im Altbau – Funktioniert das wirklich?

Heat-Kings Blog • Mai 2026 • Altbau & Sanierung

"Im Altbau lohnt sich eine Wärmepumpe nie." – diesen Satz hört man in Foren, auf Reddit und selbst von manchen Heizungsbauern. Aber stimmt das wirklich? Die Antwort ist weitaus differenzierter, als viele annehmen. Dieser Artikel stützt sich auf die renommierte Fraunhofer-ISE-Langzeitstudie "WPsmart im Bestand", zahlreiche Praxisfälle und aktuelle Forschung. Wir zeigen, wann eine Wärmepumpe im Altbau effizient läuft – und wo die tatsächlichen Grenzen liegen.

"Im Altbau lohnt sich das nie" – die Skepsis aus Foren und Praxis

Wer sich in deutschsprachigen Online-Foren oder auf Reddit zum Thema Wärmepumpe umsieht, stößt unweigerlich auf eine Welle kritischer Stimmen:

"Altbau Bj. 1965, ungedämmt, 40er-Radiatoren. Ich habe drei Angebote eingeholt – alle Monteure haben abgeraten. Die WP würde nur takten, der Heizstab wäre dauerhaft an."

– Beitrag im HaustechnikDialog-Forum, 2025

"Mein Nachbar hat eine WP in seinem Haus von 1970 einbauen lassen. Jetzt liegt die JAZ bei 2,8 – das ist nicht wirtschaftlich. Er hätte bei der Gasheizung bleiben sollen."

– Kommentar auf r/de, 2025

"Jeder Heizungsbauer sagt mir: Wärmepumpe im Altbau = Heizstabheizung. Die Dinger sind für Neubauten mit FBH konzipiert."

– User auf r/Waermepumpe, 2026

Ein typischer Kommentar aus einem Fachforum fängt die Stimmung gut ein: "Ich habe 20 Jahre Gasheizungen eingebaut und rate jedem Altbau-Besitzer von der WP ab. Die Technik ist nicht reif für den Bestand." Diese Aussage spiegelt eine verbreitete Haltung wider, hinkt der technologischen Realität jedoch um Jahre hinterher.

Diese Stimmen sind nicht aus der Luft gegriffen – sie beschreiben reale Problemsituationen. Entscheidend ist jedoch: Es handelt sich um spezifische Fälle, nicht um eine allgemeingültige Regel. Die häufigsten Ursachen für solche Negativbeispiele sind:

  • Eine zu hohe Heizlast (über 15 kW) bei gleichzeitig hoher Vorlauftemperatur (über 60 °C).
  • Ein komplett unsaniertes Gebäude mit einem Heizenergiebedarf von über 200 kWh/m²a.
  • Falsch ausgelegte oder zu klein dimensionierte Heizkörper.
  • Ein fehlender hydraulischer Abgleich, der die Wärmepumpe gegen ungünstige Strömungsverhältnisse ankämpfen lässt.

In diesen Konstellationen ist die Skepsis durchaus berechtigt. Sie rechtfertigt aber keinesfalls, das Thema Wärmepumpe für alle Altbauten pauschal abzulehnen. Die Forschung liefert längst zahlreiche Gegenbeweise.

Mythos: "Der Altbau ist zu schlecht gedämmt" – wann stimmt das wirklich?

Einer der hartnäckigsten Mythen lautet: "Eine Wärmepumpe funktioniert nur in einem top gedämmten Haus." Das ist eine verkürzte und oft irreführende Darstellung. Die physikalische Grundlage ist dabei recht simpel:

Leistungszahl (COP) = abgegebene Wärme / aufgewendete elektrische Energie

Die Effizienz einer Wärmepumpe hängt nicht primär von der Dämmung ab, sondern vom Temperaturhub – also von der Differenz zwischen der Temperatur der Wärmequelle (z.B. Außenluft) und der benötigten Vorlauftemperatur des Heizsystems. Ein schlechter gedämmtes Haus verliert zwar mehr Wärme, was aber lediglich bedeutet, dass die Wärmepumpe länger laufen muss. Sie arbeitet dabei nicht zwangsläufig ineffizienter, solange die Vorlauftemperatur niedrig bleiben kann.

Wann hat der Mythos also einen wahren Kern? Ein komplett unsanierter Altbau mit einem sehr hohen Heizenergiebedarf (z.B. über 200 kWh/m²a) und einem Heizsystem, das 70 °C Vorlauftemperatur benötigt, ist tatsächlich ein Problemfall. Hier müsste die Wärmepumpe konstant eine hohe Temperatur bereitstellen, was die Jahresarbeitszahl (JAZ) auf einen unwirtschaftlichen Wert von 2,5 oder weniger drücken würde.

Und wann ist der Mythos falsch? Ein teilsaniertes Gebäude, selbst aus den 60er Jahren, mit einem moderaten Energiebedarf (z.B. 130 kWh/m²a) und einer maximalen Vorlauftemperatur von 50 °C, kann ein ausgezeichneter Kandidat für eine Wärmepumpe sein. Hier ist nicht die perfekte Dämmung, sondern die moderate Vorlauftemperatur der Schlüssel zum Erfolg. Dies bestätigt auch Fraunhofer ISE: Die durchschnittliche JAZ in den untersuchten Bestandsgebäuden lag bei beachtlichen 3,4 für Luft-Wasser-Wärmepumpen und sogar 4,3 für Sole-Wasser-Wärmepumpen.

Wer pauschal urteilt "Der Altbau ist zu schlecht gedämmt", ignoriert die wichtigste Stellschraube für den Erfolg: die Vorlauftemperatur. Und genau diese lässt sich oft mit überschaubarem Aufwand optimieren.

Fraunhofer-ISE-Langzeitstudie: WP im Bestand – die Fakten

Die wohl umfangreichste deutsche Studie zum Thema ist das Projekt "WPsmart im Bestand" des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE). Über mehrere Jahre hinweg wurden Wärmepumpen in verschiedensten Bestandsgebäuden messtechnisch begleitet. Die zentralen Ergebnisse sprechen eine klare Sprache:

  • Rund 80 bis 90 Prozent aller Bestandsgebäude in Deutschland sind für den Betrieb mit einer Wärmepumpe geeignet – oft ohne umfassende Komplettsanierung.
  • Die real gemessenen Jahresarbeitszahlen (JAZ) lagen im Mittel bei 3,4 (Luft-Wasser) bzw. 4,3 (Sole-Wasser) und damit im wirtschaftlich grünen Bereich.
  • Der oft gefürchtete Heizstab kam in der Praxis nur selten zum Einsatz und trug im Schnitt weniger als 3 Prozent zur gesamten Heizarbeit bei.
  • Das Baujahr hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Effizienz. Ein saniertes Haus von 1960 erzielte ähnliche JAZ-Werte wie ein unsanierter Bau von 1995.
  • Die entscheidenden Faktoren für den Erfolg waren ausnahmslos: Vorlauftemperatur, Heizlast und die Auslegung der Heizflächen.

Die Fraunhofer-Studie widerlegt damit eindrucksvoll die These, dass Wärmepumpen nur im Neubau effizient funktionieren. Sie unterstreicht aber auch: Der Erfolg hängt maßgeblich von einer sorgfältigen Planung ab. Wer eine alte Gasheizung einfach 1:1 durch eine Wärmepumpe ersetzt, ohne Heizsystem und Gebäude zu analysieren, riskiert genau die negativen Erfahrungen, von denen in Foren berichtet wird.

Die drei Schlüsselkriterien: Heizlast, Vorlauftemperatur und Heizkörper

Damit eine Wärmepumpe im Altbau wirtschaftlich und zuverlässig heizt, müssen vor allem drei technische Voraussetzungen erfüllt sein:

KriteriumOptimalAkzeptabelKritisch
Heizlast (Wärmebedarf)< 10 kW10 – 15 kW> 15 kW
Vorlauftemperatur (bei -10 °C AT)≤ 35 °C≤ 55 °C> 55 °C
Heizenergiebedarf< 100 kWh/m²a100 – 150 kWh/m²a> 150 kWh/m²a
HeizkörperFBH oder NT-HKAusreichend dimensioniertDeutlich unterdimensioniert
Hydraulischer AbgleichDurchgeführtVorhanden aber suboptimalFehlt komplett

Die Heizlast als wichtigster Parameter

Die Heizlast ist die maximale Leistung, die Ihre Heizung an den kältesten Tagen des Jahres bereitstellen muss, um das Gebäude warm zu halten. Sie wird in Kilowatt (kW) gemessen und ist die entscheidende Größe für die Dimensionierung der Wärmepumpe. Die professionelle Berechnung nach DIN EN 12831 berücksichtigt alle relevanten Faktoren:

  • Wärmeverluste durch Bauteile (Wände, Fenster, Dach, Boden)
  • Verluste durch Lüftung (sowohl kontrolliert als auch durch Undichtigkeiten)
  • Interne Wärmegewinne (Personen, Elektrogeräte)
  • Solare Gewinne durch Fensterflächen

Die gute Nachricht: Die meisten teil- oder unsanierten Altbauten aus den 60er bis 90er Jahren weisen eine Heizlast von unter 15 kW auf. Ein typisches Reihenhaus von 1975 mit 120 m² landet oft bei 8–12 kW, ein Bereich, den moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen problemlos abdecken. Erst bei sehr großen, ungedämmten freistehenden Häusern kann die Heizlast 15 kW überschreiten.

Neben der Gesamtheizlast ist auch die raumweise Heizlast relevant. Ein einzelner Raum mit hohem Wärmebedarf, etwa ein alter Wintergarten, kann die Auslegung erschweren, selbst wenn die Gesamtheizlast unkritisch ist. Hier kann der gezielte Austausch eines Heizkörpers Abhilfe schaffen und die Effizienz des gesamten Systems sichern.

Heizlastberechnung als erster Schritt: Wie groß muss die WP sein?

Die korrekte Dimensionierung der Wärmepumpe ist der Dreh- und Angelpunkt für Effizienz und Langlebigkeit. Hier werden die teuersten Fehler gemacht:

  1. Überdimensionierung: Eine zu große Wärmepumpe schaltet sich ständig an und aus (taktet). Das führt zu hohem Verschleiß und schlechter Effizienz, da sie nie ihren optimalen Arbeitsbereich erreicht.
  2. Unterdimensionierung: Eine zu kleine Wärmepumpe schafft die benötigte Heizleistung nicht. Der elektrische Heizstab muss häufig einspringen, was die Stromkosten in die Höhe treibt – das klassische Horrorszenario.
  3. Faustformel statt Berechnung: Aussagen wie "120 m² brauchen 12 kW" sind grob fahrlässig. Ein Neubau mit 120 m² benötigt vielleicht 4 kW, ein unsanierter Altbau gleicher Größe aber 14 kW.
Faustformel (nur zur groben Orientierung, ersetzt keine DIN-12831-Berechnung):
Heizlast ≈ Wohnfläche [m²] × spezifischer Wärmebedarf [kWh/m²a] / 2000
Für eine verlässliche Planung: Nutzen Sie einen Online-Rechner wie auf heat-kings.de.

Eine professionelle Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 durch einen Energieberater kostet zwischen 300 und 800 Euro. Diese Investition schützt Sie vor Folgekosten in Tausenderhöhe durch eine falsch dimensionierte Anlage. Unser heat-kings Rechner bietet Ihnen eine verlässliche, normennahe Ersteinschätzung – kostenlos und in wenigen Minuten.

Fallbeispiele: Vom 60er-Jahre-Bau bis zum Mehrfamilienhaus

Fall 1: Reihenmittelhaus, Baujahr 1968, teilsaniert

Ein Reihenhaus mit 110 m², Baujahr 1968. Die Fenster wurden 2015 erneuert (Dreifachverglasung), die oberste Geschossdecke ist gedämmt. Die Fassade ist ungedämmt, die alten Rippenheizkörper sind noch vorhanden. Der Gasverbrauch lag bei 14.500 kWh/a.

Heizlastberechnung: 7,8 kW (nach DIN EN 12831).
Vorlauftemperatur (Bestand): 58 °C bei Norm-Außentemperatur.
Maßnahmen: Austausch von drei Heizkörpern gegen größere Plattenheizkörper (Kosten: ca. 1.800 €), hydraulischer Abgleich (ca. 900 €).
Neue Vorlauftemperatur: 48 °C.
Ergebnis: Eine 8 kW Luft-Wasser-Wärmepumpe erreicht eine JAZ von 3,5. Der Heizstab-Anteil liegt unter 1 %. Der Besitzer spart rund 400 € pro Jahr im Vergleich zur alten Gasheizung.
Fazit: Mit gezielten, überschaubaren Maßnahmen funktioniert die Wärmepumpe auch im nur teilweise sanierten Altbau hervorragend.

Fall 2: Einfamilienhaus, Baujahr 1962, unsaniert

Ein freistehendes EFH, 150 m², Baujahr 1962. Ungedämmt, alte Fenster, originale Gussradiatoren. Der Gasverbrauch lag bei 28.000 kWh/a. Die berechnete Heizlast beträgt 17,5 kW, die nötige Vorlauftemperatur 70 °C.

Bewertung: In diesem Zustand ist eine Wärmepumpe nicht wirtschaftlich. Die Heizlast ist zu hoch, die Vorlauftemperatur übersteigt den effizienten Arbeitsbereich bei Weitem. Eine direkt installierte WP würde zu hohen Stromkosten und geringer Zufriedenheit führen.

Empfehlung: Sanierung vor Heizungstausch. Schritt 1: Neue Fenster (ca. 12.000 €). Schritt 2: Dämmung der Kellerdecke (ca. 2.500 €). Diese Maßnahmen senken die Heizlast auf ca. 12 kW und die Vorlauftemperatur auf rund 55 °C. Danach ist der ideale Zeitpunkt für den Einbau einer Wärmepumpe gekommen.

Fall 3: Mehrfamilienhaus (4 WE), Baujahr 1973, teilsaniert

Vier Wohneinheiten auf 320 m². Das Dach ist gedämmt, Wände und Keller sind es nicht. Der Gasverbrauch betrug 38.000 kWh/a.

Heizlast: 21 kW. Dies ist zu viel für eine einzelne Luft-Wasser-Wärmepumpe im Wohngebiet. Mögliche Lösungen sind eine Kaskade aus zwei kleineren Geräten oder eine Sole-Wasser-WP mit Erdkollektor.

Maßnahmen: Austausch der alten Heizkörper, hydraulischer Abgleich (Gesamtkosten ca. 8.000 €). Installation einer Kaskade aus zwei 10 kW Luft-Wasser-Wärmepumpen (ca. 35.000 € vor Förderung). Die Vorlauftemperatur sinkt nach Optimierung auf 50 °C.
Gemessene JAZ nach einem Jahr: 3,7. Heizstabanteil unter 2 %.
Einsparung pro Partei: Ca. 250 €/Jahr im Vergleich zur alten Gasheizung.

Heizkörper tauschen: Wann ist es wirklich nötig?

Die Sorge, alle Heizkörper ersetzen zu müssen, hält viele vom Umstieg ab. Oft ist das aber gar nicht notwendig. Der Mythos, eine Wärmepumpe erfordere zwingend eine Fußbodenheizung, ist falsch. Entscheidend ist der Heizkörpertyp und seine Größe.

HeizkörpertypGeeignet bei 55 °C VL?Geeignet bei 45 °C VL?Handlungsbedarf
Gussradiatoren (alt, vor 1980)SeltenNeinTausch meist unumgänglich
Rippenheizkörper (80er/90er)Oft jaTeilweisePrüfen, oft Tausch nötig
Plattenheizkörper Typ 20/21JaBedingtGgf. gegen größeren Typ tauschen
Plattenheizkörper Typ 22 (doppelt)JaJaMeist kein Tausch nötig
Niedertemperatur-HeizkörperJaJaIdeal, kein Tausch nötig
FußbodenheizungJaJaIdeale Voraussetzung

Für die Praxis heißt das: Wer bereits moderne Plattenheizkörper vom Typ 22 oder 33 besitzt, muss in der Regel nichts verändern. Bei alten Guss- oder Rippenradiatoren ist ein Austausch in den Räumen mit der höchsten Heizlast (oft Wohnzimmer, Bad) meist sinnvoll. Die Kosten von 200 bis 600 Euro pro Heizkörper sind im Verhältnis zur Gesamtinvestition überschaubar und sichern die Effizienz der gesamten Anlage.

Eine wichtige Erkenntnis aus der Praxis: Nur in etwa 8 Prozent der Altbau-Projekte ist ein vollständiger Austausch aller Heizkörper erforderlich. In den meisten Fällen genügt der gezielte Tausch von zwei bis drei kritischen Heizkörpern und ein sorgfältiger hydraulischer Abgleich.

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Kosten vs. Einsparung: Rechnet sich die Wärmepumpe im Altbau?

Die entscheidende Frage ist die nach der Wirtschaftlichkeit. Was kostet der Umstieg und was spart er langfristig? Betrachten wir ein typisches Einfamilienhaus (Bj. 1975, 140 m², Heizlast 10 kW, bisheriger Gasverbrauch 19.000 kWh/a).

KostenpositionWärmepumpe (Luft-Wasser)Neue Gas-Brennwertheizung
Anschaffung (Gerät + Installation)22.000 €12.000 €
Optimierung (z.B. 2-3 Heizkörper)1.800 €
Hydraulischer Abgleich900 €900 €
Summe Investition (brutto)24.700 €12.900 €
BEG-Förderung (Annahme 50 %)−12.350 €
Investition nach Förderung12.350 €12.900 €
Heizkosten pro Jahr (Gas: 10 ct, WP-Strom: 28 ct, JAZ 3,4)1.560 €1.900 €
CO₂-Preis pro Jahr (ab 2026)-ca. 200 € (steigend)
Wartung (über 10 Jahre)2.000 €3.500 €
Gesamtkosten über 10 Jahre29.950 €37.400 €
Einsparung mit WP (10 Jahre)+7.450 €

Wichtige Anmerkungen zur Tabelle: Durch die hohe Förderung sind die reinen Investitionskosten für beide Systeme inzwischen vergleichbar. Die steigenden CO₂-Kosten für fossile Brennstoffe machen die Gasheizung im Betrieb von Jahr zu Jahr teurer, während die Wärmepumpe davon unberührt bleibt. Die Annahme eines Wärmepumpen-Stromtarifs von 28 ct/kWh ist dabei eher konservativ.

Unter diesen realistischen Annahmen amortisiert sich die Wärmepumpe nicht nur, sie ist von Anfang an die wirtschaftlichere Lösung. Über eine Laufzeit von 20 Jahren summiert sich der Kostenvorteil auf über 15.000 Euro – den Wertzuwachs der Immobilie noch nicht eingerechnet.

Was passiert bei schlechter Planung?

Rechnen wir ein Worst-Case-Szenario: Es werden keine Heizkörper getauscht, die Vorlauftemperatur bleibt bei 60 °C, die JAZ sinkt auf ineffiziente 2,8. Die jährlichen Stromkosten steigen damit auf ca. 2.150 €.

Das Ergebnis: Selbst in diesem ungünstigen Fall sind die Gesamtkosten der Wärmepumpe über 10 Jahre (ca. 37.850 €) nur marginal höher als die der Gasheizung (ca. 37.400 €). Der entscheidende Unterschied: Die Wärmepumpe lässt sich durch nachträgliche Maßnahmen (Heizkörpertausch, Optimierung) immer noch verbessern und effizienter machen. Die Gasheizung wird nur teurer.

Fazit: Ja, die Wärmepumpe im Altbau funktioniert – mit der richtigen Planung

Basierend auf hunderten Praxisfällen und den soliden Daten der Forschung lautet die klare Antwort: Ja, die Wärmepumpe funktioniert in den allermeisten Altbauten hervorragend. Sie ist aber keine Plug-and-Play-Lösung, sondern erfordert eine sorgfältige Planung und Auslegung.

  1. Heizlast professionell berechnen: Schätzungen und Faustformeln sind der größte Feind des Erfolgs. Eine Berechnung nach DIN EN 12831 ist die Basis für alles Weitere.
  2. Vorlauftemperatur analysieren: Liegt sie an kalten Tagen über 55 °C, müssen Maßnahmen zur Absenkung ergriffen werden.
  3. Heizflächen gezielt optimieren: Oft genügt der Austausch weniger, strategisch wichtiger Heizkörper.
  4. Hydraulischen Abgleich durchführen: Er ist die günstigste und effektivste Maßnahme zur Effizienzsteigerung und sollte bei jedem Heizungstausch Standard sein.
  5. Sanierung als Chance begreifen: Ein Fenster- oder Dachtausch kann der perfekte Anlass sein, um danach auf eine Wärmepumpe umzusteigen.

Wer diese Punkte beachtet, wird mit einer Wärmepumpe im Altbau nicht nur klimafreundlicher, sondern auch günstiger heizen als mit jedem fossilen System. Die Daten der Fraunhofer-Studie, unzählige Fallbeispiele und tausende zufriedene Betreiber belegen dies eindrucksvoll.

Die Skepsis in Foren entsteht meist durch reale Fehlplanungen. Doch eine schlechte Planung ist kein Argument gegen eine Technologie, sondern ein Argument für eine bessere Planung.

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FAQ – Häufige Fragen zur Wärmepumpe im Altbau

Funktioniert eine Wärmepumpe auch in einem Haus aus den 1960er Jahren?

Ja, absolut. Die Fraunhofer-Studie zeigt, dass das Baujahr allein kein Kriterium ist. Entscheidend sind eine Vorlauftemperatur unter 55 °C, eine moderate Heizlast (ideal unter 15 kW) und ausreichend große Heizflächen. Ein teilsanierter 60er-Jahre-Bau ist oft ein besserer Kandidat als ein unsanierter Bau von 1995.

Muss ich alle meine alten Heizkörper austauschen?

In den meisten Fällen nicht. Moderne Plattenheizkörper (Typ 22 oder 33) sind fast immer geeignet. Bei alten Guss- oder Rippenradiatoren genügt oft der Austausch von 2-3 Heizkörpern in den Räumen mit dem höchsten Wärmebedarf. Ein kompletter Austausch ist nur in seltenen Ausnahmefällen nötig.

Was kostet eine Wärmepumpe für einen Altbau wirklich?

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet inkl. Installation zwischen 18.000 und 25.000 Euro. Mit kleineren Anpassungen (z.B. Heizkörpertausch, hydraulischer Abgleich) landet man bei ca. 22.000 bis 27.000 Euro. Nach Abzug der staatlichen Förderung (bis zu 70 %) liegt der Eigenanteil oft nur noch bei 9.000 bis 15.000 Euro und damit auf dem Niveau einer neuen Gasheizung.

Brauche ich zwingend eine Fußbodenheizung?

Nein, das ist einer der hartnäckigsten Mythen. Ausreichend dimensionierte Heizkörper funktionieren mit einer Wärmepumpe genauso gut. Wichtig ist, dass sie auch bei niedrigeren Vorlauftemperaturen (z.B. 45-50 °C) noch genügend Wärme an den Raum abgeben können.

Wie hoch ist das Risiko, dass der Heizstab meine Kosten in die Höhe treibt?

Bei korrekter Planung ist das Risiko minimal. Die Fraunhofer-Studie belegt, dass der Heizstab in der Praxis im Schnitt weniger als 3 % der Jahresheizarbeit leistet. Er ist eine reine Sicherheitsreserve für extreme Kälteperioden und springt bei gut ausgelegten Anlagen nur sehr selten an.

Welche Wärmepumpen-Marke ist für den Altbau am besten?

Wichtiger als die Marke (ob Panasonic, Daikin, Viessmann, Vaillant etc.) ist die sorgfältige Auslegung durch einen erfahrenen Fachbetrieb. Achten Sie auf Modelle mit Inverter-Technologie, die ihre Leistung flexibel an den tatsächlichen Bedarf anpassen können (tiefe Modulation). Das ist im Altbau mit seinem schwankenden Wärmebedarf besonders wichtig.

Lohnt sich die Wärmepumpe im Vergleich zur Gasheizung wirklich?

Ja, heute mehr denn je. Durch die hohe Förderung sind die Anschaffungskosten oft vergleichbar. Im Betrieb ist die Wärmepumpe durch die niedrigeren Energiekosten und den Wegfall des CO₂-Preises deutlich günstiger. Der Break-Even ist oft schon nach wenigen Jahren erreicht, danach sparen Sie jedes Jahr bares Geld.

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